Armsen

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In der Zeit der Völkerwanderung sollen sich die ersten Vorfahren in dem weiten Sumpfgebiet angesiedelt haben. Ursprünglich bestand Armsen aus 7 Höfen. Neben den Kirchspielen Kirchlinteln, Walle und Wittlohe gehörte auch das Kirchspiel Armsen zum Amte Verden. Ob das Kirchspiel Armsen auch eine Kirche hatte, geht jedoch aus den Chroniken nicht eindeutig hervor. Es wird jedoch berichtet, daß der Turm der Armsener Kirche an die Verdener Andreaskirche abgegeben worden sei. Ein Klingelbeutel der Andreaskirche, zu der Armsen bis 1972 gehörte, trägt die Bezeichnung „Armbsen“ und „1754“ als Jahreszahl. Die beiden Kronleuchter in der Verdener Andreaskirche wurden übrigens von Harm-Hinrich Ueltzen aus Armsen und einem Einwohner aus Neddenaverbergen gestiftet. Ihren Lebensunterhalt bestritten die Armsener überwiegend durch Ackerbau und Viehzucht. Auf dem Verdener Moor hat sich mancher ein kleines Grundstück erworben, wo im Frühjahr Torf gestochen Wurde. Im Winter sind die Einwohner mıt dem Graben von Mergel beschäftigt gewesen. 1836 erhalten Armsen und Hohenaverbergen die Erlaubnis, im Dorf einen Friedhof anzulegen. 1905 wurde der Armsener Friedhof um zwei Himtsaat Land vergrößert. Damals zählte Armsen bereits 91 Hausnummern und 450 Seelen. Im Jahre 1857 starben 29 Einwohner an der Ruhr. Am 10. Juli 1893 morgens um drei Uhr wurden die Einwohner durch eine Feuersbrunst aufgeschreckt. Die fünf Anwesen des Halbmeyers Fritz Dittmer (3), und der Anbauern Heinrich Kuhlmann, Diedrich Röhrs (Schulhof), Johann Harms (29) und des Gastwirts Hermann Dittmer fielen den Flammen zum Opfer. Man erzählt, daß durch die enorme Hitzeentwicklung und begünstigt durch den starken Wind die Speckseiten bis zu einhundert Meter durch die Lüfte flogen und dadurch andere Gehöfte in Brand gesetzt wurden. Die Brandbekämpfung übernahm damals die Pflichtfeuerwehr, bevor im Jahre 1941 die Freiwillige Feuerwehr Armsen gegründet wurde. Erster Brandmeister war 1941 Heinrich Gödecke, der zuvor bereits die Pflichtfeuerwehr geleitet hatte.

1906 wurde der Kriegerverein Armsen gegründet, der alljährlich Kaisers Geburtstag mit einem Kindertanz am Nachmittag und einem Festball feierte. Im Jahre 1911 wurde in Armsen der Schützenverein gegründet. 1908 gab es in Armsen bereits vier Dampfmaschinen. Zimmermeister August Ueltzen nutzte auf seinem Zimmerplatz eine Dampfmühle zum Antrieb der Dampfsägerei. Ebenfalls im Jahre 1908 kaufte Anbauer Christoph Hogrefe eine Dampfdreschmaschine, womit das Korn in Armsen gedroschen wurde. Noch heute erinnert man sich an die lange Reihe der Erntewagen vor der Zufahrt zum Dreschplatz. Auf der Anhöhe am Dorfausgang nach Neddenaverbergen errichtete Heinrich Ahrbecker 1908 eine Windmühle (Bockmühle). Ein Dampfmotor setzte die Mühlensteine bei Windstille in Bewegung. Die vierte Dampfmaschine diente dem Mergelgrubenbesitzer Diedrich Renken zum Betreiben einer Wasserpumpe In Armsen wurden nicht nur die Schützen- und Erntefeste gefeiert, auch zu anderen Festtagen gab es Bräuche. Zum Jahreswechsel gingen die „Jünglinge“ durch das Dorf, sangen hinter den Fenstern Choräle und erhielten Wurst und Eier, nachdem sie zum neuen Jahr gratuliert hatten. Höhepunkt des Osterfestes war natürlich das Osterfeuer.

Mit den umliegenden Ortschaften bildete Armsen früher bestimmte Bezirke. Armsen war damals ein Standesamtsbezirk. Armsen und Hohenaverbergen bildeten einen „Schiedsgerichtsbezirk“, während mit Eitze und Luttum ein Hebammendienstbezirk bestand. Bedeutsam war für Armsen das Jahr 1926. Das Wahrzeichen des Dorfes, die Bockmühle, wurde das Opfer eines schweren Sturmes. Leider wurde diese Windmühle in Armsen später nicht mehr aufgebaut. Große Schäden mussten 1926 die Bauern hinnehmen. Nicht nur, dass durch die grassierende Maul- und Klauenseuche kein Hof vom Viehsterben verschont blieb, auch die Ernte war sehr schlecht, weil der Sommer sehr nass war. Im Januar 1930 wurden die ersten elektrischen Straßenlampen aufgestellt. Die Anlage mit vierzehn Lampen kostete damals 1400 Reichsmark, für das Kilowatt Strom mussten damals 0,25 Reichsmark bezahlt werden. Vier Jahrzehnte später wurde 1971 nach einem Entwurf von Hermann Ueltzen die Friedhofskapelle auf dem Friedhof errichtet. Mit Spenden in Höhe von 24.000 Mark und durch die freiwilligen Eigenleistungen der Einwohner konnte die neue Kapelle bereits am 1. Adventssonntag 1971 eingeweiht werden.

In zwei Bauabschnitten wurde 1973 und 1975 die neue Kreisstraße gebaut, die das Dorfbild von Armsen entscheidend veränderte. Der Schützenverein Armsen erweiterte 1979 seine Schießsportanlage. Auf dem Gelände der Bahnhofsgaststätte entstand eine moderne Luftgewehrschießhalle mit acht Ständen und einem Aufenthaltsraum. Den Schützen folgten die Feuerwehrkameraden die in Armsen ein neues Feuerwehrgerätehaus erbauten, das im Mai 1982 eingeweiht wurde. Der im Jahre 1956 errichtete Erweiterungsbau am alten Feuerwehrhaus musste 1973 dem Ausbau der Kreisstraße weichen, so dass die Armsener Feuerwehr für neun Jahre in einer Garage bei Anni Huxol „zur Miete wohnte“. Heute zählt Armsen 157 Häuser und 669 Einwohner.

Quelle: Günter Lühning und Hermann Meisloh – Kirchlinteln mit seinen 17 Ortsteilen (1983)