Ortschaft Heins


Die beiden Ortsteile sind unterschiedlich alt. Während Groß-Heins schon um 1320 urkundlich erwähnt wird – der Ort heißt damals „Berndeheinße“ – erwähnt man Klein-Heins – als „Hohen Heinse“ – erst um 1647. In unserer Gegend auf der Geest hat es früher überall große Heideflächen gegeben. Für die Gegend um Heins trifft das in besonderem Maße zu. In alten Geschichten liest man immer wieder von Schäfern, die hier die Schnucken hüteten. Vom Lehrdetal unterbrochen reichten die Heideflächen weit in den heutigen Kreis Soltau-Fallingbostel. Hierzu eine kleine Erzählung: Die großen Heideflächen und Waldungen gehörten früher Edelleuten aus Verden und Rotenburg. Auf den Flächen ließen sie ihre Schafherden weiden. Nun kamen zwei junge Edeldamen aus Verden angereist, um die Herden zu besuchen. Doch der unkundige Kutscher kam zu weit nach Süden auf sumpfiges Gelände. Pferde und Wagen versanken. Die beiden Damen sprangen vom Wagen und schrien: „Owe, Owe …“. Die Schäfer hörten das Schreien und eilten herbei. Mit vereinten Kräften wurden Pferde, Wagen und die Damen wieder flottgemacht. Die Edelleute hatten von der Gegend genug, ließen die Schäfer nach Verden kommen und verkauften ihnen die weiten Heideflächen und großen Schafherden für 400 Thaler. Ein Schäfer baute sich in der Nähe der Unglücksstelle seine Behausungen und nannte den Ort „Owe“ in Erinnerung an den Notschrei der Edeldamen aus Verden. Jahre später bekam der älteste Sohn des Schäfers Brandt 100 Schafe als Abfindung und der Vater sagte ihm, er solle jetzt Owe verlassen und nach „Groten Hein´s“ ziehen. Der zweite Sohn soll dann nach „Lütten Hein’s“ gezogen sein. Tatsache ist jedenfalls: Ältere Einwohner von Groß-Heins kennen noch den „Brandt’schen Hof“, das Anwesen mit der Haus-Nr. 1 in Groß-Heins. Der ganze Ort war früher ein „Freihof“. Er war weder dem Bischof von Verden noch von Behr aus Stellichte lehnspflichtig. Das kam in unserer Gegend nur ganz selten vor. Aus diesem einen Hof entstanden dann alle anderen Höfe in Groß-Heins.

Die Forsten Orth (Groß-Heins), Spann (Klein-Heins), gehören zusammen mit dem Sahlingsloh zur Domstruktur Verden. Nutznießer ist noch heute die Domstruktur, verwaltet werden die Forsten aber vom staatlichen Forstamt Walsrode. Die Schule wurde 1859 in Groß-Heins von Zimmermeister Dreyer aus Huxhall und Maurerjohann Luttmann aus Kirchlinteln gebaut. Von 1857 bis 1868 war Johann Hinrich Luttmann Lehrer in Groß-Heins. Dann wechselte er nach Kükenmoor, wo er bis 1904 segensreich wirkte. Die Schüler von Klein-Heins gingen erst seit dem letzten Krieg in Groß-Heins zur Schule. Vorher besuchten sie die Schule in Bendingbostel. Zur Schule in Groß-Heins kamen dann bis zur Auflösung 1965 die Kinder aus Groß-Heins, Klein-Heins und Goldborn. Erwähnt werden soll auch noch der Lehrer Quick. Ein sehr begabter Lehrer, der leider auch gerne einen trank. Bei Wanderungen mit den Schülern ging es oft nach Idsingen. Dort bei der Gastwirtschaft wurde eine Pause eingelegt. Wenn Herr Quick dann etwas mehr Durst hatte, sagte er seinen Schülern: „Geht schon voraus, ich komme gleich nach“. Damals entstand der Vers: „Quick güng bit na Idsen, un denn wör he dick“. Im und nach dem letzten Krieg hatten die Schüler in allen Orten neben dem Lernen auch noch andere „Nebenbeschäftigungen“. Dazu gehörte neben dem Kartoffelkäferabsammeln auch das Sammeln und Trocknen von Kräutern.

Willi Bunke erinnert sich noch genau an die Zeit vor fast 40 Jahren: „Am 16. April 1945 sprengten die deutschen Soldaten (Marine-Infanterie) die Lehrdebrücke. Davor hatte man eine Panzersperre aus Baumstämmen gebaut. Diese Stämme schoben die Engländer später in die Lehrde, und über dieses Holz und die Reste der eingestürzten Brücke rollte monatelang der Verkehr von Groß-Heins nach Idsingen. Die Engländer nahmen im April 1945 das Dorf unter Beschuss, schossen aber zu kurz, so dass der ganze Wald zwischen Idsingen und Groß-Heins vernichtet wurde und abbrannte. Die deutschen Soldaten waren des Kampfes müde und waren bereit, sich zu ergeben. Bürgermeister Diercks und der belgische Kriegsgefangene bei der Familie Bunke, Camille Ninane, gingen bei dem Beschuß mit weißer Fahne den Engländern entgegen. Der Beschuss endete. Die englischen Truppen zogen in Groß-Heins ein und nahmen die deutschen Soldaten gefangen“. Bei Bunkes spielte sich das etwa so ab. Ein englischer Leutnant kam ins Haus, wo sich etwa 30 Soldaten aufhielten und sagte höflich in gutem Deutsch: „Meine Herren, Sie sind meine Gefangenen“, und zu Bunkes: „Für Sie ist der Krieg zu Ende, beachten Sie bitte unsere Anweisungen“. In Groß-Heins ist damals nur die Scheune von Rose abgebrannt. Das Handeln dieser beiden Männer in Groß-Heins konnte und kann auch heute noch für uns Richtung und Maßstab sein: Sie hatten wirklich echten Mut bewiesen zum Wohle anderer. Wie die Familie Bunke in Groß-Heins, so haben auch viele Bürger schon im Krieg zur Völkerverständigung beigetragen. Vor ein paar Jahren ist der ehemalige Kriegsgefangene Ninane gestorben. Mit ihm hatten und mit seiner Familie haben Bunkes immer noch guten Kontakt.

Noch einmal zurück zur Lehrde. Ganz früher war hier nur eine Furt. Die Brücke nannte man später „Preußenbrücke“. Hier musste Zoll entrichtet werden. Der Brückenzoll wurde nach Hannover abgeführt. Sogar der Mann mit der Schiebkarre musste bezahlen. Befreit waren nur die Schäfer mit ihren Herden. Die Wichtigkeit dieser Brücke ergibt sich auch aus dem „Dreiländereck“. Hier stoßen die Landkreise Verden, Rotenburg und Fallingbostel zusammen. Die Weide links von der Brücke gehört z. B. zum Kreis Rotenburg. Wie viele andere Wege, war auch diese Straße früher eine Trift, die von der Brücke bis zum Ort Groß-Heins 72 Werkfuß breit ist (ein Werkfuß = 29 cm). Die letzten ca. 100 m der Straße bis etwa 20 m über die Brücke hinaus mussten von der Familie Rose instandgehalten werden.
Quelle: Günter Lühning und Hermann Meisloh – Kirchlinteln mit seinen 17 Ortsteilen (1983)


Klein-Heins
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Groß-Heins
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