Hohenaverbergen

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Auf einer Geesthöhe liegt das Dorf Hohenaverbergen. In diesem Ortsnamen spiegelt sich die Lage auf einer Höhe bzw. auf Bergen wieder: um 1320 Honoverbergen, 1385 Hogenoverberge, 1548 Hogen Averbergen und seit 1600 Hohenaverbergen. Aus dem ehemaligen kleinen Dorf mit 22 Feuerstellen um 1600 ist durch die Erschließung von Neubaugebieten in den letzten Jahrzehnten ein aufstrebender Ort mit 758 Einwohnern geworden. Durch die Entdeckung der Urnenfelder, der Steinbeile, Hügelgräber und anderer Funde aus der Steinzeit wird die schon frühe Besiedlung im Dalsch bewiesen. Heute weist eine Tafel auf die Kultstätte im Dalsch hin. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick in westlicher Richtung auf die Allermarsch. In der 881 Hektar großen Gemarkung befindet sich in der Hasenheide ein Kinderferienlager und mit dem Turnierplatz des Reitvereins „Graf von Schmettow“ eine der schönsten ländlichen reitsportlichen Anlagen im norddeutschen Raum. An der Grenze zu Wittlohe liegt auf dem Lohberg – der zweithöchsten Erhebung im Landkreis Verden – die 1956 errichtete Kampfstellung mit HAWK-Raketen der in Barme stationierten RaKArt 32. Vom Lohberg aus hat man als Wanderer einen herrlichen Blick auf das Lehrde- und Allertal und am Ortseingang (vom Lohberg kommend) kann man bei guter Sicht bis Verden blicken. Ebenso wie die umliegenden Dörfer war Hohenaverbergen vor Jahrhunderten ein Bauerndorf, dessen Ortskern abseits der jetzigen Landesstraße Verden-Walsrode lag, als der Weg wahrscheinlich über die jetzige Dorfstraße und durch den Dalsch nach Wittlohe führte. 1600 zählte das Dorf ganze 22 Feuerstellen, 1821 waren es 29 und 1883 33 Feuerstellen. Einige Jahrzehnte später war die Einwohnerzahl sogar rückläufig: 213 Einheimische wohnten am 1. 1. 1949 in Hohenaverbergen. Durch 43 Evakuierte und 165 Flüchtlinge, die in Hohenaverbergen eine neue Heimat fanden, stieg die Einwohnerzahl insgesamt jedoch auf 421 und betrug 1967 bereits 598. An der Entwicklung der Einwohnerzahl lässt sich bereits der Aufschwung des Dorfes erkennen; so dass auch der Wohnungs- und Straßenbau vorangetrieben wurde. In den 50er Jahren wurde bereits die Dorfstraße bis Dreyer asphaltiert und bis 1963 im „Oberdorf“ vervollständigt. Mitte der 60er Jahre wurde die Ringstraße ausgebaut. In diesen Jahren setzte sich auch in den Dörfern die Motorisierung durch: das erste Auto – Marke: Borgward Goliath – fuhr 1951 Heinrich Döpke. Am 1. 1. 1967 waren es bereits 102 Personenwagen. Auch auf den Bauernhöfen verrichteten PS-starke Traktoren die schwere Arbeit. 1967 gab es auf 19 landwirtschaftlichen Betrieben 24 Traktoren. Der gute alte „Lanz“ und der „Bulldog“- als Traktoren der ersten Stunde – verdrängten schon Jahre vorher das Pferd von den Höfen, die Ergebnisse der Vieh-Zählungen verdeutlichen diese Entwicklung. Gab es um 1600 noch 99 Pferde, 218 Rinder, 111 Schweine, 398 Schafe und 23 Bienenvölker, waren es bei der Viehzählung am 2. 12. 1966 nur noch 21 Pferde, dafür aber 290 Rinder, 978 Schweine, nur noch 2 Schafe sowie 7 Ziegen, 1157 Hühner, 93 Gänse, 215 Enten und 29 Truthühner.

Ein Blick zurück: Auf Müllers-Hof Nr. 1 zahlte ein Albert Eckhoff schon um 1680 Kruggeld. Heute steht auf der Hofstelle kein Gebäude mehr, nachdem das Wohnhaus 1929 und der letzte vorhandene Stall 1947 abgebrochen wurden. Sämtliche Ländereien sind verpachtet. Eine Weitere Gastwirtschaft wurde 1825 von einem Gaatz erbaut und bis 1941 von Rengstorfs betrieben. Zum Gasthaus soll auch eine Kegelbahn gehört haben, eine alte Kegelkugel erinnert noch daran. „Stolz“ eines jeden Dorfes war früher die Schule. Um 1777 soll ein Dietrich Bockelmann abwechselnd in den Häusern der Schulkinder unterrichtet haben, bis 1800 die Schule erbaut wurde. Schon 1869 wurde ein neues Schulhaus gebaut, dass 1945 durch Beschuss zerstört wurde. Seit November 1946 unterrichtete Lehrer Meyhöfer in Hohenaverbergen. Lehrer Osterloh war noch nicht entnazifiziert und wurde nach Einste versetzt. Osterloh ist wohl auch das „Verschwinden“ der Schulchronik (Aufzeichnungen bis zum 2. Weltkrieg) zu „verdanken“. Betrug die Schülerzahl im Schuljahr 1947/48 noch 62, stieg sie bis 1951/52 auf 81 an. 1957 wurde Meyhöfer nach Wahnebergen versetzt und seit Februar 1958 besuchen die Schüler die neue Schule Luttum/Hohenaverbergen. Abschließend einige kurze Notizen: Mit der Inschrift „Gottes Wort und Luthers Lehr vergehen nie und nimmer mehr“ wurde am 10. November 1883 die „Luther-Eiche“ gepflanzt. Der Hohener See wurde früher auch als Badeanstalt genutzt, während sich Anlieger Meyer seinen Lebensunterhalt mit Fischfang verdiente. Am 5. August 1905 schloss die Gemeinde mit der Bohrgesellschaft AG Erkelenz einen Vertrag zur Gewinnung vom Kalisalzen. Am 23. Juli 1909 beteiligt sich Hohenaverbergen mit 12.000,00 Mark an der Gründung der Gesellschaft zum Bau einer Kleinbahn Verden-Walsrode und am 24. September 111912 wird mit dem Überlandwerk Verden-Hoya der Vertrag zur Lieferung elektrischen Stroms geschlossen. Im April 1945 wurden sechs Gehöfte ganz und 12 Gehöfte teilweise durch Beschuss und Feuer zerstört. Der Haushalt der Gemeinde Hohenaverbergen betrug 1949 12.824,00 und 1967 106.114,00 Mark. 1946/47 erhielt die Feuerwehr einen ausgedienten Jeep. „Hogrefen Vadder“, der eine Schlachterei im‘ jetzigen Hause Busch betrieb, hatte den Jeep von den Engländern erworben und verkaufte ihn an die Feuerwehr. Entsprechend umgebaut bot der Jeep acht Feuerwehrmännern Platz. Am 10. April 1975 wurde in Hohenaverbergen der „TSV Lohberg“ gegründet. Inzwischen gehören dem TSV 700 Mitglieder an. Das sportliche Angebot reicht beim TSV Lohberg von Fußball und Handball über Turnen, Tischtennis und Tennis bis hin zu Badminton, Judo und Karate. Während in den ersten Jahren der Spielbetrieb auf dem Sportplatz in Otersen stattfand, wurde seit 1978 der Sportplatz neben der Luttumer Sporthalle benutzt. Den ersten eigenen Sportplatz Weihte der TSV im September 1980 ein. Bis 1984 sollen jetzt in voraussichtlich drei Bauabschnitten ein Fußball- und zwei Tennisplätze neben der Luttumer Sporthalle entstehen.
Quelle: Günter Lühning und Hermann Meisloh – Kirchlinteln mit seinen 17 Ortsteilen (1983)